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muschel


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worte

 

"wenn jemand muscheln sammelt,
dann ist er aufmerksam & bewusst für seine umgebung.
er nimmt wahr, woran ein anderer womöglich vorbeigeht,
bückt sich und selektiert.
der muschelsammler nimmt seine entdeckungen mit nach hause
und bewahrt sie auf als schätze,
wo sie durch einen neuen kontext
neue bedeutung erlangen.

eine fotografin sammelt eindrücke und begegnungen
wie muscheln am wegrand oder im sand.
dadurch entstehen aufnahmen
von muscheln & menschen."

lydia cathleen kayser


"wir sehen & begegnen menschen in unerschöpflicher schöpferischer vielfalt & wir sammeln erfahrungen in gemeinschaft. muscheln leben weich & kräftig in muschelbänken & gärten, festgewachsen auf dem meeresgrund oder frei liegend, nahe zusammen häufig in momenten mit starker brandung. im gewahrsein eines ewig spontan sich wandelnden wellenspiels stranden muscheln & menschen an allen ufern der welt. wir schwimmen & segeln frei im horizont & wir stranden aus dem wandel kommend im sand. leben & wandel spielen miteinander zwischen horizont & uferlinie. es entsteht ein ozeanisches gefühl."

clemens czesnick


muschelsammler

 

muscheln & menschen ~

text zur vernissage am 27. januar 2019 in der musikschule marburg

cathleen ~

wie ist diese ausstellung zustande gekommen?

ich hab die letzten fünf jahre hier in marburg gelebt und soziale arbeit studiert.
anfang letzten jahres hab ich mir überlegt,
fotografie zu studieren.
ich war dann bei ner mappenberatung bei andreas maria schäfer,
das ist ein freier fotograf der auch immer fotokurse an der vhs anbietet,
und der hat mich das jahr über auch immer wieder supportet.

irgendwann im sommer hat er dann gefragt,
ob wir nicht bock hätten,
bilder in der musikschule auszustellen,
und so ist diese ausstellung eigentlch entstanden.

wie ist die auswahl der bilder entstanden
und was hat es mit dem titel „muscheln und menschen“ auf sich?

ich studiere jetzt seit oktober 2018 in essen fotografie,
und diese ausstellung ist so ein kleiner rückblick
auch für mich persönlich,
was ich vor dem studium so gemacht habe.

teilweise sind sogar bilder dabei, mit denen ich mich beworben habe, aber auch ganz andere.
das älteste ist von 2015.

bei der auswahl ging es mir um diese besondere stimmung,
die man spürt, wenn man am meer ist.
von weite und trost irgendwie.

deswegen auch „muscheln“.
als ich mit clemens am meer war,
hat er die ganze zeit nach muscheln ausschau gehalten.

da ist mir diese metapher eingefallen,
weil man wie beim muschelnsammeln auch beim fotografieren
aufmerksam und bewusst für seine umgebung ist
und nur durch sein wahrnehmen
den dingen eine bedeutung verleiht.

das hat irgendwie auch was mit wertschätzen zu tun,
also man geht nicht achtlos an den muscheln vorbei,
sondern sieht genau hin und nimmt welche mit.
außerdem spielen menschen eine rolle,
wobei ich darauf geachtet habe,
dass man die menschen nie wirklich erkennt.

das liegt unter anderem auch daran,
dass bei vielen menschen heute ängste damit verbunden sind,
wenn fotografien veröffentlicht werden,
auf denen man zu erkennen ist.

das war uns vorher nicht bewusst
und es war teilweise herausfordernd,
mit diesen ängsten empathisch umzugehen.
ich denke dieses thema wird uns auch in zukunft noch oft beschäftigen, weil wir beide gerne menschen fotografieren
und das auch als eine form von kunst ansehen.
leider ist es auch nicht immer möglich,
die abgebildeten menschen nach ihrer erlaubnis zu fragen.

auf einer aufnahme ist z.B.
ein mann mit seinem sohn zu sehen,
die uns im sommer ein stück durch frankreich mitgenommen haben.
das war eine ganz besondere begegnung,
und ich habe im morgengrauen
noch eine aufnahme von den beiden gemacht,
die mir jetzt sehr viel bedeutet.
leider habe ich aber keine kontaktdaten von den beiden,
aber ich denke, es ist okay, das bild hier auszustellen.

wie seid ihr technisch mit der verarbeitung der bilder umgegangen?

wie gesagt haben wir die bilder
nicht extra für die ausstellung gemacht,
sondern sie existierten schon vorher.
wir haben aber alle bilder
nochmal neu eingescannt und bearbeitet
und dazu teilweise mittel aus der uni genutzt,
die wir vorher nicht zur verfügung hatten.

ich bin ja erst im ersten semester,
und da arbeitet man nur analog und schwarz-weiß.
deshalb habe ich die schwarz-weiß-aufnahmen
auch analog ausbelichtet,
die farbaufnahmen mussten wir
durch scannen digitalisieren
und haben sie dann in der uni geprintet.

deshalb sind die bilder nicht 100% analog
und wenn man genau hinsieht,
kann man pixel erkennen.
das ist nicht ideal,
aber wir haben auch gemerkt,
dass wir in unseren ressourcen noch eingeschränkt sind
und mussten deshalb unsere ansprüche teilweise zurückschrauben.

mit welcher kamera hast du fotografiert?

die kamera,
mit der die meisten meiner bilder aufgenommen sind,
ist eine praktica mtl 5.
durch diese kamera habe ich eigentlich zum fotografieren gefunden,
ich habe sie 2012 in dresden gekauft.
leider ist sie letztes jahr kaputt gegangen.
fürs studium hat clemens mir dann eine canon a1 gekauft,
und mit der fotografiere ich momentan hauptsächlich.

deshalb hängt in der ausstellung auch
ein bild von dieser canon.
das hat meine cousine jule mir gemalt.
hier ist der link zu ihrem instagram-account:
https://instagram.com/charcoalove?utm_source=ig_profile_share&igshid=1q9775gcezabm

und unter dieser email-adresse kann man sie kontaktieren:
julicaheinz@gmail.com

jedenfalls ist diese ausstellung auch sowas wie eine hommage
an meine gute alte praktica,
auch wenn ich sie jetzt nicht mehr benutze.

clemens ~

was ist deine vision in der ausstellung & deinen bildern?

ich hab das glück mit cathleen zusammen zu sein & dass cathleen mich gefragt hat, ob ich nicht auch ein paar bilder ausstellen möchte ~ das hat mich voll gefreut und auch geehrt & so ist mein gefühl dass neben der musikschule und der initiative von andreas vor allem cathleen mir diese ausstellung ermöglicht hat.

die kamera ist von fuji
und kam 1980 in japan raus unter dem namen „fujica ax5“,
in deutschland wurde sie ab 1981 mit dem namen „porst cr7“ vertrieben.
cathleen hat mir die kamera vor einem jahr geschenkt
& ich fing dann im januar 2018, nach jahren wieder,
mit begeisterung an zu photographieren
und die kamera hat mich durch das gesamte jahr 2018 begleitet.
allerdings wiesen die rossmann abzüge schon nach kurzer zeit
einen starken lichtstreifen im beinahe goldenen schnitt
quer über das bild auf
& mir wurde dann klar,
dass die kameraklappe hinten nicht mehr richtig schließt,
sodass wenn ich da nicht extra hinten draufdrücke beim belichten,
dieser lichteinfall entsteht.
so kommt dieser lichtschimmer auf allen bildern zustande,
natürliches licht, nicht künstlich gepusht,
was durch die öffnung quer über das bild flutet.

ich mag sowieso warmes licht, viel warmes licht,
& ich könnte am liebsten darin baden
& irgendwie fühlen sich die aufnahmen für mich auch ein bisschen so an wie im licht schwimmen.
ich hätte die klappe hinten auch einfach wieder festschrauben können, aber mir gefiel das so gut auf den bildern,
dass ich richtig danbar & glücklich über den fehler war
& mich bewusst immer wieder überraschen lassen wollte.

die motive selbst sind für mich eine sommerphantasie,
oder mein fühlen mit vielleicht 16 jahren,
oder noch früher, vielleicht 12.
ich würde schon sagen,
dass die aufnahmen mein inneres herz & fühlen als junge ablichten,
mein tiefstes bedürfnis in die welt,
das tiefste bedürfnis eines 12jährigen ~
eine freundin,
liebe & geborgen sein in einem endlosen warmen sommer...
& als wir die gelegenheit für die
ausstellung in der musikschule
angeboten bekamen,
war das unter allen möglichkeiten das stärkste gefühl
eine ausstellung in diese richtung eines idealen sommers zu gestalten.
mein wunsch ist,
dass menschen sich möglicherweise über die stimmung oder die details
mit diesem sommergefühl verbinden & erinnern & freuen.
weil es für mich in erster linie ein durch & durch freudiges gefühl ist,
selbst wenn es romantisch verklärt ist,
es ist auch schlicht freudig, naiv freudig im besten sinn.
ein gefühl, dem wir nicht entwachsen können,
weil es immer ein teil von uns sein wird.
ich bin auch sehr dankbar für die gemeinsame gestaltung mit cathleen,
die mir sehr viel freude & erkenntnis bereitet hat,
& ich fühle mich mit dem beginn der ausstellung gleichzeitig
einen schritt weiter & freier im leben.
irgendwie glücklich.


wir danken

~ andreas maria schäfer, der uns den kontakt vermittelt hat
~ die musikschule marburg & besonders svetlana für die kooperation
~ unsere eltern für die finanzielle unterstützung
~ klaus & olaf aus dem folkwang-labor für alle tipps beim belichten
~ simon für die unterstützung beim digitalen belichten
~ unsere freunde, die teilweise auf den fotografien abgebildet sind

muschel
 

 

impressum 2019